Sinn und Zweck dieser Website zur Thematik "Altbergbau"

In Anbetracht dessen, dass seit dem Jahre 2001 alljährlich wissenschaftliche Altbergbau-Kolloquien stattfinden und umfangreiche Tagungsbände darüber zu erhalten bzw. auch gelegentlich Vorträge bzw. deren Zusammenfassungen online einsehbar sind, ist es angezeigt, die Relevanz dieser Website darzulegen.

In der ehemaligen DDR erfuhr der Altbergbau durch das Inkrafttreten der "Anordnung über die Verwahrung unterirdischer bergbaulicher Anlagen (Verwahrungsanordnung) vom 19. Oktober 1971 (GBl. DDR 1971 II S. 621)" eine besondere Aufmerksamkeit. Der Autor dieser Website, zu dieser Zeit noch als Berginspektor in der Bergbehörde Staßfurt tätig, übernahm im Jahre 1974 den Bereich "Territoriale Geologie und Bergbau" der "Bezirksstelle für Geologie Schwerin" und nach deren Umbildung den gleichnamigen Sektor der "Abteilung Geologie des Rates des Bezirkes Schwerin".

Den Räten der Bezirke wurde mit der Verwahrungsanordnung u. a. aber auch die Beschaffung von "Bergschadenkundlichen Analysen" zwecks Vorbereitung und Durchführung der Verwahrung von Grubenbauen alten Bergbaus übertragen.

Auftragnehmer für die Anfertigung dieser Gutachten waren hierzulande nicht zu beschaffen. Also mussten wir Mitarbeiter der ehemaligen Bezirksstelle für Geologie    - Geologen, Hydrogeologen, Ingenieurgeologen, Geotechniker und der Autor dieser Website als ehemaliger Berginspektor mit langjähriger Erfahrung aus der Untertage-Tätigkeit -    uns der Erkundung und Begutachtung der hiesigen stillgelegten Bergwerksanlagen selbst stellen.

Es begann einerseits mit umfangreichen Feldarbeiten in Form von Begehungen, Vermessungen, Tagesbruchkartierungen, Sondierungen sowie der Befragung Ortansässiger, örtlicher Behörden und Nachnutzer der alten Bergbauareale;   andererseits suchten wir in den Archiven (Staatsarchiv Schwerin, Kreisarchive Ludwigslust und Hagenow) nach relevantem Archivgut.

Endlich fanden wir auch die markscheiderischen Rißplatten der drei Kali- und Steinsalzbergwerke Jessenitz, Lübtheen und Conow im damaligen Staatsarchiv Magdeburg. Dank der Hilfe der Markscheiderei des einstigen "VEB Geologische Forschung und Erkundung Halle, Betriebsteil Schwerin" konnten daraus verlässliche Grubenrisse erstellt werden. Die rechte Abbildung zeigt die Schachtkopfsicherung des Schachtes Lübtheen im Jahre 1975.

All diese Ergebnisse der "Erkundung des Altbergbaus" fanden ihren Niederschlag in der Anfertigung der "Bergschadenkundlichen Analysen", welche vor der seinerzeitigen "Bergbehörde Staßfurt" zu erörtern und zu bestätigen waren. Im Ergebnis dessen wurden seitens dieser Behörde die notwendigen Sicherungs- und Verwahrungsarbeiten verfügt.

Bei der Konzipierung und Umsetzung der Sicherungs - und Verwahrungsarbeiten an den Anlagen des Altbergbaus halfen insbesondere:


Zu DDR-Zeiten:
- der ehemalige "VEB Geologische Erkundung Stendal".
- der ehemalige "VEB Schachtbau Nordhausen" (heute die "SCHACHTBAU  NORDHAUSEN GmbH ").
- der ehemalige "VEB ZRAW* Erdöl-Erdgas Gommern, Direktionsbereich Bohrlochzementierung" (heute: "BLZ Geotechnik GmbH Gommern").
- das ehemalige "Institut für Bergbausicherheit Leipzig" (nach 1991 das "Institut für Gebirgsmechanik GmbH (IfG) Leipzig").

* ZRAW =  Zentrales Reparatur- und Ausrüstungswerk der Erdöl/Erdgas-Industrie der DDR.


Nach dem Beitritt der DDR zur BRD:
- die "SCHACHTBAU NORDHAUSEN GmbH".
- die "Ercosplan Ingenieurgesellschaft Geotechnik u. Bergbau mbH Erfurt".
- die "DMT*-Leipzig, Zweigniederlassung der DMT GmbH & Co. KG" .
- die "BLZ Geotechnik GmbH Gommern".

* DMT = Deutsche Montan Technologie GmbH.

Im Folgenden soll an Beispielen von Schachtanlagen des Altbergbaues in Südwest-Mecklenburg dieser Verfahrensablauf   - von Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts bis zur bergamtlichen Kontrollbefahrung am 17. März 2016, an welcher der Autor teilnehmen durfte  -  dokumentiert werden.

Die Abbildung oben rechts zeigt die Situation des Jahres 2016 auf dem Bergwerksareal Lübtheen. Bergamtsleiter Dipl.-Ing. T. Triller stellte sich freundlicherweise   - mitten auf der gesicherten Schachtscheibe des Friedrich Franz Schachtes stehend -   als Größenvergleich zur Verfügung.

Mit dem Inhalt dieser Website sollen die Anfänge einer wissenschaftlichen Untersuchung und Dokumentation von Anlagen des Altbergbaus für die Nachwelt erhalten bleiben aus einer Zeit, als es noch keine solchen technischen/digitalen Möglichkeiten heutiger Tage gab.

In der heutigen Zeit nennt man das, was wir damals begannen,  "Monitoring im Altbergbau"
Eine Empfehlung zum Monitoring im Altbergbau des DMV Deutscher Markscheider-Verein, Stand 10.09.2014 ist hier nachzulesen:

Monitoring im Altbergbau

Schwerin, im April 2016

Dr.-Ing. Günter Pinzke