Sicherung und Verwahrung der Schachtröhre Jessenitz

Nach dem plötzlichen Ersaufen der Schachtanlage Jessenitz verfügte am 18. Februar 1914 das Bergamt Hagenow die Verfüllung des Schachtes Herzog-Regent. Im Jahre 1916 wurden die übertägigen Baulichkeiten von der „Westfälischen Eisen-Demontage- und Sprenggesellschaft“ aus Dortmund abgebrochen. Die „Deutsche Futterwerke G.m.b.H. Jessenitz“, welche die Ländereien erwarb, verfüllte die Schachtröhre des Schachtes Herzog-Regent mit Sand aus der Umgebung bis 223,5 m unter Gelände. Diese Arbeiten wurden am 25. August 1916 beendet. Die durch das zuständige Oberbergamt Halle am 3. September durchgeführte Nachkontrolle ergab eine Füllstandshöhe bei Teufe 235,7 m.

Mit Verfügung vom 6. September 1916 erließ das Oberbergamt die weitere Verfüllung des Schachtes mit Bezug auf den bis circa 250 m Teufe doppelten Tübbingausbau.
Im Bestand des Landeshauptarchivs Schwerin (Bestands-Nr. 5.12-3/18, Nr. 20) ist eine Liste von ‚Jessenitzer Nivellements‘ enthalten. Die nachgewiesenen Senkungserscheinungen an der Tagesoberfläche waren gering.

In einem Schreiben der „Deutschen Futterwerke Jessenitz i/Mecklbg.“ An das Grossherzogliche Bergamt Lübtheen vom 10. September 1916 heißt es:
„[…] Wir erlauben uns nachzutragen, dass wir während der Aufräumungsarbeiten des Schachtes weitere 8 Tage den Schacht zugeschüttet haben. Hierdurch tritt jetzt der Sand bis etwa 8 met. unter Terrainoberkante. Das Grundwasser selbst ist gefallen und nicht mehr sichtbar. Wir nehmen nicht an, dass wir so viel hineingeschüttet haben, dass der Schacht bis dahin vollständig gefüllt ist, sondern vielmehr, dass sich im Schachtinnern ein Gewölbe an der Stelle, wo der alte Förderkorb noch sitzt, gebildet hat, und dass wir von da aus den Schacht bis oben gefüllt haben.
Wir haben im Schacht bei der 5. Welle im Tübbingkranz eingeschalt und sind jetzt beim Betonieren. Ein Rohr haben wir mit einbetoniert, sodass alle Forderungen erfüllt werden. Genauere Schachtabschlusszeichnungen werden wir in Kürze einreichen“.

Die Schachtöffnung wurde Anfang November 1916 durch eine Eisenbetondecke mit Feldbahnschienen-Armierung, einer Sandaufschüttung von 1,6 m und einer darüber befindlichen Decke aus T-Eisen, N.P.40, mit Betonkappen und einem Standrohr von 100 mm Durchmesser gesichert.

Die letzte Lotung durch den Autor erfolgte am 12. Februar 1975; dabei wurde der ‚Sandkopf‘ in der Teufe von 230,02 m und der Wasserspiegel bei Teufe 34,93 m festgestellt. Die "Bergschadenkundliche Analyse der Mecklenburgischen Kali-Salzwerke Jessenitz" erarbeiteten der Autor (1981; Sign. KA 0028 Geolog. LA M-V) und RÖßLER (1986; Sign. KA 0025 Geolog. LA M-V).

Die Abteilung Geologie des Rates des Bezirkes Schwerin beauftragte mit Schreiben vom 5. Oktober 1983 den „VEB Schachtbau Nordhausen“ eine neue Schachtkopfsicherung bzw. Abdeckelung der Schachtröhre des Schachtes Jessenitz vorzunehmen. Im Jahre 1981 war die nach dem Ersaufen der Schachtanlage Jessenitz eingebaute Abdeckelung abgeräumt worden, weil die Absicht bestand, eine künstliche Endteufe in der Schachtröhre einzubauen und darauf - wie in der Schachtröhre Friedrich Franz Lübtheen erfolgreich durchgeführt - eine Braunkohlenfilterasche-Suspension einzubringen.

Nach einigen Erwägungen finanzieller/technischer Art wurde letztlich Ende 1985 eine 10 m x 10 m große Stahlbetonplatte, auf einem separaten Ringfundament ruhend, gegossen. Zuvor wurde der Wetterkanal mit Magerbeton verfüllt. Die Abdeckplatte erhielt eine Kontrollöffnung von 0,6 m Durchmesser. Die öffentliche Sicherheit wurde durch eine 25 m x 25 m große Absperrung (Zaun aus Maschendraht und verschließbarem Tor) gewährleistet. Der bis dahin bergamtlich verfügte Sicherheitsradius von 25 m um die Schachtröhre blieb bestehen.

Im Jahre 1997 erfolgte im Auftrage des Bergamtes Stralsund durch " ERCOSPLAN Ingenieurgesellschaft Geotechnik und Bergbau mbH Erfurt" eine Sicherheitsbewertung des Schachtes Jessenitz.

Die sich anschließende detaillierte bergschadenkundliche Bewertung empfahl die vollständige Verfüllung des Schachtes. Die Ausführungsplanung sah die Verfüllung des verbliebenen Hohlraums mittels eines kohäsiven Verfüllmaterials mit gutem Fließverhalten im Pumpverfahren vor.

Baustelleneröffnung war am 10. Januar 2000; bauausführender Betrieb: "BLZ Geotechnik GmbH Gommern".

Im Zeitraum von Januar bis Mai 2000 wurden zunächst die vorhandenen Schachtverschlüsse (Schachtabdeckung und die im Jahre 1985 abgestürzte Stahlbetonplatte bei 20 m Teufe) durchbohrt und zwei Verfüllleitungen installiert. Leider ging der Versatzstrang im Wettertrum am 25. Februar 2000 (Abbruchlänge 67 m) verloren. Die weitere Verfüllung erfolgte ausschließlich über den zweiten Versatzstrang in das Fördertrum.
Aufgehend ab einer Teufe von 215,5 m wurde zunächst ein Dammbaustoff (DM 1.25 HS, Druckfestigkeit 2,5 MN/m²) auf einer Länge von circa 10 m eingebaut. Daran anschließend wurde in mehreren Abschnitten weiterer Dammbaustoff (LWM-HS B5, ermittelte Festigkeiten bis 12,8 MN/m²) sowie zwei Zementbrücken eingebaut.



Aufgehend ab einer Teufe von 215,5 m wurde zunächst ein Dammbaustoff (DM 1.25 HS, Druckfestigkeit 2,5 MN/m²) auf einer Länge von circa 10 m eingebaut. Daran anschließend wurde in mehreren Abschnitten weiterer Dammbaustoff (LWM-HS B5, ermittelte Festigkeiten bis 12,8 MN/m²) sowie zwei Zementbrücken eingebaut.

Durch kontinuierliche Überwachung des Füllpegels im gesamten Schacht sowie eine Mengenbilanzierung des eingebrachten Baustoffes und der zeitgleich abgepumpten Lösungen Insgesamt 2322 m3 Schachtwässer mussten im Rahmen der Schachtverfüllung entsorgt werden. konnte belegt werden, dass die gesamte Schachtröhre verfüllt wurde.
Der Verfüllstand wurde nach den jeweiligen Verfüllabschnitten im Fördertrum mit dem Verfüllgestänge und einem daran angeschraubten speziellen Abtastschuh abgetastet.
Da es oberhalb einer Teufe von 90 m keine Übereinstimmung von eingebrachter Verfüllmenge und Anstieg der Verfüllsäule - berechnet über den vollen Schachtquerschnitt gab (Mengendefizit etwa 300 m3) - wurden zu Kontrollzwecken drei Bohrungen in die Verfüllsäule niedergestoßen. Eine Bohrung (K 1) in das Wettertrum durch den vorhandenen Kontrollschacht, eine weitere (K 2) in das gleiche Trum, aber den dem vorhandenen Kontrollschacht. Und eine dritte Bohrung (K 3) ins Fördertrum. Vor dem Bohren wurde bis zur Teufe von 23,7 m , d. h. bis 3,8 m über der seinerzeit angestürzten Betonplatte Verfüllmaterial eingebracht, um sichere Bohransatzpunkte zu gewährleisten.

Im Ergebnis dieser umfangreichen Kontrollen war festzustellen, dass sich keine Hohlräume in der Versatzsäule gebildet hatten. Proben aus den Bohrwerkzeugen erbrachten neben dem Verfüllmaterial auch alten, also früher hier eingelagerten Ziegelschutt und Mauerputzmörtel.

Den Abschluss bildete eine Betonplombe, die unterhalb der bestehenden Schachtabdeckung eingebracht wurde. Trotz dieser erfolgreichen Verwahrungsarbeiten des Schachtes Herzog Regent Jessenitz ist eine Bebauung im Radius von 25 m um die Schachtröhre bergamtlicherseits untersagt; die Fläche kann jedoch als Parkplatz für das Unternehmen "Rudolf Dankwardt GmbH, Jessenitz-Werk" genutzt werden. Der Schachtkopf ist gegen Betreten durch einen neu zu setzenden Maschendrahtzaun zu sichern (Situation April 2016).

Die bergamtliche Baustellen-Endabnahme war am 4. Mai 2000.

Insgesamt wurden eingebracht:
- 135,02 m3 resp. 159,32 t Dammbaustoff DM 1.25 HS
- 1970,30 m3 resp. 1970,3 t Dammbaustoff LWM-HS B5
- 312,95 m3 resp. 347,38 t Zement CEM III 32,5 HS
- 70,00 m3 resp. 142,10 t Beton B 10 (für die Schacht-Abdeckplatte)
Insgesamt also 2488,28 m3.

Im Frühjahr 2016 wird der Bereich um den Schacht als Parkplatz für die "Rudolf Dankwardt GmbH" umgestaltet. Hier nachstehemd ein Foto aus dem Jahre 2013.