Sicherung und Verwahrung der Schachtröhre Conow

Wie bereits zuvor ausgeführt, wurden die Flutungsarbeiten am 27. August 1927 beendet.
Nach der Demontage des Fördergerüstes wurde der Zugang zur Schachtröhre durch eine Ringmauer mit eingelassenem Rost aus Grubenschienen verschlossen.

Die übertägigen Baulichkeiten wurden weiterhin genutzt; z. Zt. des Erscheinens der Verwahrungs-anordnung war hier der einzige DDR- Produzent von fertiger Babynahrung, der "VEB Nordfrucht Conow", angesiedelt. Und die unverwahrte Schachtröhre befand sich faktisch inmitten des Betriebsareals (siehe nebenstehendes Foto).

Da hier im Schachtbereich über 50 m mächtige Lockergesteine anstehen, war die Gefahr eines Verbruchs der gusseisernen Tübbingsäule in diesem Bereich und damit eine akute Gefährdung des Nutzers dieses Areals nicht auszuschließen.

Zur Früherkennung eines solchen Ereignisses konstruierte und installierte der Autor Signalanlagen. Diese bestanden aus einem üblichen Signalhorn, welches über einen Kontaktgeber mit einem in bestimmten Teufenlagen installierten Anker (an der Tübbingwandung bzw. an Einstrichen befestigt) durch ein Nirosta-Stahlseil miteinander verbunden war. Die kleinste Setzungserscheinung innerhalb der Schachtröhre hätte sofort einen Signalton ausgelöst und damit die Gefährdung von Personen und Anlagen angezeigt.

Desweiteren diente die Entnahme von Proben der in der Schachtröhre anstehenden Wässer bzw. Salzlösungen zur Bewertung bereits abgelaufener sowie künftig noch zu erwartender subrosiver Prozesse.

Nach Vorlage dieser Analysenergebnisse und ihrer physiko-chemischen Interpretation (d. h. Mineralisation der Lösungen in den verschiedenen Teufenbereichen und ihr Bezug zum umgebenden Salzgestein) sind keine weiteren salinaren Auflösungsprozesse im Schachtbereich Conow zu erwarten. Diese seinerzeitigen Aussagen wurden durch die im Jahre 2004 durchgeführten echometrischen Hohlraumvermessungen bestätigt.

In den Jahren 1984 bis 1986 wurde die bisherige Ummauerung der Schachtröhre abgerissen und die Schachtöffnung mittels einer Stahlbetonabdeckplatte (Ø 6,51 m) gesichert. In dieser Abdeckung befanden sich eine Einstiegsluke und eine Kontrollluke (beide mit einem Durchmesser von 0,6 m), gesichert mittels gusseiserner Deckel. Auf einer Kontrollbühne 3,26 m unter Flur waren wiederum drei Warnanlagen installiert. Ihre Meßanker saßen in den Teufenlagen 11,5 m, 40,0 m und 60,0 m. Die Kontrollbühne für die installierten Warnanlagen wurde 3,26 m unter Geländeoberkante installiert; der Zugang war über die Einstiegsluke möglich. Trotz dieser neuen Schachtkopfsicherung wurde seitens der seinerzeit zuständigen Bergbehörde Staßfurt der bis dahin bereits bestehende Sicherheitsradius von 24 m nicht aufgehoben. Das bedeutete natürlich auch weiterhin eine Einschränkung für die Nutzung des Betriebsareals. Die Wiederholungsmessungen auf den Nivellementslinien zur Überwachung des Einwirkungsbereiches der gefluteten Grubenbaue auf die Tagesoberfläche wurden auf einen 5-Jahres-Zyklus ausgedehnt.

Das Nachfolgeunternehmen des ehemaligen „VEB Nordfrucht Conow“ (seit 1992 dem Nestlé-Konzern zugehörig unter dem heutigen Namen "Nestlé WCO GmbH Malliß / OT Conow") bemühte sich in der Folgezeit um die Durchführung einer dauerhaften Verwahrung des Schachtes Conow mit der Zielstellung einer Aufhebung des Schachtsicherheitsbereiches. Mit der Erarbeitung eines solchen Verwahrungsprojektes beauftragte das Bergamt Stralsund im Jahre 1994 das Unternehmen „ERCOSPLAN Ingenieurgesellschaft Geotechnik und Bergbau mbH Erfurt“.

Auf Grundlage dieser Situation wurde eine dauerhafte Sicherung der Schachtröhre in Angriff genommen. Ziel war es dabei mögliche Bruchprozesse im oberflächennahen Bereich über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten zu verhindern, um so dem ansässigen Unternehmen eine dauerhafte Nutzung der Flächen zu ermöglichen.

Die Planungsarbeiten hierfür begannen bereits 1994. Nach Abwägung möglicher Verwahrungsvarianten wurde entschieden lediglich den Schachtkopfbereich zu sichern und die verbleibende Schachtröhre lösungserfüllt zu erhalten. Hierzu wurden von September 1996 bis November 1996 im Bereich der quartären Lockergesteinsmassen von 0 bis 51 m Teufe eine tragfähige Schachtplombe eingebaut.

Dazu mussten die festgestellten Verspriegelungen bis zur Einbaulage der vorgesehenen Schalungsbühne bei 54,5 m Teufe mit Hilfe von Tauchern entfernt und unter Wasser eine Schalungsbühne in dieser Teufe eingebaut werden. Nach dem Herstellen eines Vorpfropfens aus Unterwasserbeton begannen die Sümpfarbeiten und das Rauben der Schachteinbauten.

Die Schachtplombe ist eine Stahlbetonkonstruktion, die aus einem Schaft besteht, der den Schacht bis 51 m Teufe ausfüllt und im auskragenden Schachtkopfbereich (Ø 10 m, ca. 1,5 m hoch) verlagert ist. Für die Schachtverfüllung bis zur Ackersohle wurde Beton der Festigkeitsklasse B 25 verwendet (vergl. nebenstehende Zeichnung).

 

Nach Abschluss der Arbeiten war die Gefahr eines plötzlichen Abstürzens der Plombe respektive des Tübbingausbaus im Lockergesteinsbereich und damit in der Folge eine Tagesbruchbildung mit all ihren Gefahren für das Nestlé-Werk und seine Beschäftigten dauerhaft beseitigt.

Die abschließende Hohlraumerkundung

Im Jahre 2004 veranlasste das Bergamt Stralsund abermals eine Untersuchung der Stabilität der Schachtröhre Conow. Anlass war, dass bei Untersuchungen mittels eines auf die spezifischen Bedingungen der Altkalischächte ausgelegten Untersuchungs- und Monitoringprogramms bei einer Vielzahl ersoffener Schacht-anlagen im Niveau der salinaren Gesteine (meist im Kaliflöz) Hohlraumstrukturen (beispielsweise circa 18.000 m3 am Schacht Leopoldshall III in Staßfurt) sowie ein Verbruch der tiefer gelegenen Schachtab-schnitte festgestellt wurden.
Als Ursache der Hohlraumbildung wurden komplexe Auflösungs-  vorgänge infolge des unkontrollierten Ersaufens der Bergwerke und Schächte mit ungesättigten wässrigen Lösungen (meist Grundwasser) identifiziert.

Da für die in Mecklenburg gelegenen Altkalischächte gleichartige Ereignisabfolgen während des Ersaufens belegt waren, musste insbesondere für den mit einem oberflächennahen Betonpfropfen gesicherten Schacht Conow von gleichartigen Prozessen und damit verbundenen Risiken für die Tagesoberfläche ausgegangen werden. Für die Durchführung entsprechender Untersuchungen war es erforderlich, den Betonpfropfen durch eine Bohrung vollständig zu durchörtern und zum Schutz des Messequipments eine Schutzverrohrung bis zur Endteufe des Schachtes in mehr als 700 m Teufe einzubauen. Nachdem dies ausgeführt wurde, konnten die geplanten Messungen ausgeführt werden. Durch diese konnte zweifelsfrei belegt werden, dass mehr als 80 Jahre nach Verlassen des Schachtes keinerlei Veränderungen der Schachtkontur eingetreten waren und die im Schacht befindlichen Lösungen im Gleichgewicht mit dem umgebenden Salzgestein standen. Damit konnten die bei der Teilverwahrung getroffenen geotechnischen Annahmen einer weitestgehend unversehrten Schachtröhre bestätigt werden.

Eine abschließende bergschadenkundliche Bewertung kommt zu dem Ergebnis, dass nach menschlichem Ermessen keine Gefahren für die schachtnahe Tagesoberfläche bestehen.