Das Kali- und Steinsalzbergwerk Lübtheen (Schacht Friedrich Franz)

Weitere systematische Bohrungen bei Lübtheen (wie schon ab 1882 auf Rittergut Jessenitz) belegten das Vorhandensein eines bis nördlich von Lübtheen befindlichen Salzstockes.
Mit dem Abteufen des Schachtes Friedrich Franz wurde am 23. Dezember 1895 auf der Sohle des Gipsbruches begonnen. Nach erheblichen Schwierigkeiten durch zusitzende Wässer bzw. Salzlösungen aus dem kavernösen bzw. klüftigen Caprock wurde bei 35 m Teufe das Abteufen von Hand eingestellt und der Schacht mit dem Kind-Chaudron'schen Schachtbohrverfahren weiter niedergebracht.

 

Nach vielen Schwierigkeiten – die Härte des Gesteins hatte zahlreiche Bohrer- und Gestängebrüche sowie Abweichungen des Bohrschachtes von der Lotrechten zur Folge – gelang am 5. Juli 1902 das Absenken des Küvelagezylinders von 3,60 m lichter Weite bis 242 m Teufe. Undichtigkeiten in der sogenannten Moosbüchse zwangen zum weiteren Abbohren des Schachtes bis zur Teufe von 99 m. Die neue Küvelage von 3,0 m lichter Weite wurde mit Magnesiazement vergossen. Doch auch ihr Entsümpfen gelang nicht, weil Wasserzuflüsse am Kopf der neuen Küvelage in 222 m Teufe eindrangen.

Nach Aufsetzen von neun Tübbingringen von je 1,5 m Höhe auf die Küvelage und Vergießen des Ringraumes mit Portlandzement wurde der Wasserabschluss erreicht. Das weitere Abteufen erfolgte von Hand im ursprünglichen Durchmesser von 3,6 m lichter Weite. Am 2. September 1905 wurde die 430-m-Sohle und im folgenden Jahr die 500-m-Sohle angeschossen. Die 600-m-Sohle erschloss man mit einem Blindschacht.

Das Weiterteufen des Hauptschachtes bis zur Endteufe von 618 m wurde gegen Jahresende 1911 im rechteckigen Querschnitt von 3×4 m begonnen und 1913 beendet.

Noch vor Fertigstellung des Schachtes (1913) wurde am 2. September 1905 die 430-m-Sohle (I. Sohle) sowie im folgenden Jahr die 500-m-Sohle (II. Sohle) angeschossen. Die 600-m-Sohle erschloss man über einen Blindschacht. Die 430-m-Sohle, wie alle Tiefbausohlen und wesentlichen Erkundungsstrecken im Profil 4 m breit und 2–3 m hoch, untersuchte das Salzlager in streichender Erstreckung. Etwa 280 m westlich des Förderschachts wurde 1908 in südlicher Richtung zum Gegensattelflügel der Versuchsquerschlag 2 aufgefahren. Dieser fand in einer Entfernung von ca. 310 m ein 8 m mächtiges Hartsalzlager hoher Qualität (bis 20 % K2O), welches ebenfalls abgebaut wurde.

Die Auffahrungen auf der 500- und 600-m-Sohle in nordöstlicher bzw. nördlicher Richtung dienten lediglich der weiteren Lagerstättenerkundung; ein Abbau fand hier nicht statt. Zur Steinsalzgewinnung – teils zum Verkauf, aber auch als Versatzmaterial – wurden insgesamt fünf sogenannte Bergemühlen angelegt. Vier davon im Niveau der 500-m-Sohle, eine auf der II. A-Sohle. Sie standen alle im Älteren Steinsalz. Ihre Abmessungen betrugen 20 m Breite, 80 m Länge und 10 m Höhe.

Ob die Carnallit- und Hartsalzabbaue überhaupt und wenn ja, in welcher Größenordnung, versetzt wurden, ist nicht sicher. Das sonst anderenorts übliche Einbringen von Klaubesalz und Kesselhausaschen von Übertage in die leergeförderten Grubenbaue muss hier nicht in vollem Umfang auch getan worden sein, denn während der Betriebsperiode des Bergwerks wurde noch lange Zeit der ehemalige, wassergefüllte Gipsbruch zugeschüttet.

Bereits nach nur elfjähriger Betriebszeit kündigte sich durch erhebliche Laugenzuflüsse in Nähe des Schachtes auf der 430-m-Sohle das Ende der bergbaulichen Tätigkeit an. Diese Zuflüsse stammten aus einer ca. 4 m unterhalb des unteren Kalilagers vorhandenen porösen, langbeinitisch-sylvinitischen Übergangsschicht vom Älteren Steinsalz zum Liegenden des Flözes Staßfurt.
Alle Versuche zur Abriegelung bzw. Abdichtung der Zuflüsse blieben trotz erheblicher Aufwendungen und ausgetüfteltster ingenieurtechnischer Leistungen erfolglos. Anfang Dezember 1916 entschloss man sich zur Aufgabe des Grubengebäudes unterhalb der 430-m-Sohle. In die Schachtröhre wurde von Teufe 410 bis 384 m ein Betonpfropfen eingebaut, welcher 7,8 m in die darüber befindliche Tübbingsäule reichte. In diesen setzte man zu Kontrollzwecken eine Rohrtour ein.

In der Nacht vom 8. zum 9. Dezember 1916 wurden in der Stadt Lübtheen und Umgebung starke unterirdische Geräusche wahrgenommen. Am folgenden Tag um 11 Uhr stand der Wasserspiegel im Schacht bereits bei 50 m Teufe. Neben Bodenbewegungen wurde auch das Absinken des Grundwassers bis 2 m beobachtet. Der Wasserstand im ca. 1,5 km entfernten See in Probst Jesar (durch Erdfall entstanden) sank um ca. 10 cm. Das gesamte unversetzte Grubenhohlraumvolumen beträgt ca. 320.000 m³.

Detaillierte Angaben finden Sie in diesem WIKIPEDIA-Artikel des Autors.

Der Tagesoberflächenabschluss erfolgte durch eine Betonplatte mit eingesetztem Lotungsrohr. Darüber errichtete man eine gemauerte Einfassung mit geschlossenem Dach und einer verschließbaren Zugangstür.
Nach Abbruch der Tagesanlagen wurde der Schacht mit einer Abdeckung versehen. Anschließend blieb das Bergwerk Lübtheen bis in die 1970er Jahre, d. h. über einen Zeitraum von beinahe 50 Jahren nahezu unbeachtet. Auf dem ehemaligen Werksgelände etablierte sich ein Industriebetrieb.
Die behördlichen Maßnahmen zur Überwachung und Sicherung der bergbaulichen Anlagen blieben auf wenige Kontrollen der Pegel sowie der Schachtabdeckung beschränkt. Zur Abwehr von Gefährdungen der öffentlichen Sicherheit war ein Sicherheitsbereich von 25 m ausgewiesen, innerhalb dessen eine Bebauung und/oder Nutzung untersagt war.

Und auch dieser Schacht hat in der Schachtbaugeschichte seinen würdigen Platz gefunden:

Die Schachtröhre des „Kali- und Steinsalzbergwerkes Friedrich Franz Lübtheen“ wurde 64 Jahre nach dem Ersaufen des Bergwerkes als erster Kalischacht Deutschlands mittels einer sich im Salzwassermilieu erhärtenden Suspension aus Braunkohlen-Filterasche und Zementbrücken verfüllt. Die Auswertung der Kontrollbohrungen und numerische Berechnungen aus dem Jahre 2008 belegen rechentechnisch die Standsicherheit dieser Bergwerksanlage für weitere 200 Jahre.

Dazu unter dem Abschnitt "Sicherung und Verwahrung" nähere Dokumentationen.