Das Kali- und Steinsalzbergwerk Conow (Schacht Conow)

Das geschichtlich überlieferte Wissen von der alten Saline Conow im südwestlichen Bereich der Gemarkung Conow sowie den als Pingen gedeuteten sogenannten „Trockenen und Nassen Teufelskuhlen“, welche ca. 1,3 km westlich von Conow liegen, vermutete seit langem eine Salzlagerstätte im Untergrund.
In den Jahren 1906-08 wurden insgesamt vier Tiefbohrungen niedergebracht. Dabei wurde eine am Nordrand der „Nassen Teufelskuhle“ niedergebrachte Bohrung bereits in 302 m Teufe kalisalzfündig. Auf dieser Bohrung wurde am 22.1.1910 mit dem Abteufen des Schachtes begonnen.
Bei der Salzlagerstätte Conow handelt es sich um einen komplizierten Salzstock, dessen Grundfläche annähernd ellipsenförmig ist und im 500 m-Teufenbereich etwa 21,125 km² misst. Die Flanken des Salzstockes sind recht unterschiedlich ausgebildet.

Nach Nordosten zeigt er die flachste Flankenneigung (etwa 20 Grad bis 900 Meter Teufe), weiter nach Nordwesten nimmt das Einfallen zu. Der nordwestliche bis südwestliche Flankenbereich zeigt einen Flankenüberhang, daran anschließend bis Südosten folgt eine senkrechte Flankenstellung bis etwa 500 m Teufe, die dann auf etwa 45 Grad abnehmend ist. Bei einem Generaleinfallen des Salzstockes in NNO-SSW-licher Richtung ist ein OSO-WNW-liches Streichen feststellbar.

Quartäre und tertiäre Schichten bilden das Hangende des Salzstockes. Das Quartär ist durchschnittlich 25- 30 m mächtig und besteht aus Wechsellagerungen von gelbem Geschiebelehm und grauen Geschiebemergel mit gelbem Sand. Das Tertiär über dem Salzstock schwankt in seiner Mächtigkeit zwischen 25 und 80 m. Vertreten sind schwarzgrauer, glimmerhaltiger Ton und ebensolcher Sand, die wohl dem Miozän zuzurechnen sind, und schwarze fette Tone, insbesondere Septarienton, sowie glaukonit-und glimmerhaltige Sande des Ober- bis Unteroligozäns. Die in den Bohrungen und Grubenbauen angetroffenen salzführenden Schichten sind den oberen Zechsteinfolgen zuzuordnen.

Durch die Bohrungen und den Schacht wurde zunächst der in seinem oberen Teil zum Gipshut umgewandelte und stark zerklüftete Hauptanhydrit aufgeschlossen. Seine Oberkante liegt bei - 5 m NN, zu den Flanken hin fällt er stark ab. Der Anhydrit bzw. Gips reicht bis zu dem über dem Salzstock bei - 114 m NN liegenden Salzspiegel ; seine Mächtigkeit beträgt durchschnittlich 110 m. Über den Teil des Salzstockes, der das Südfeld der 480 m-Sohle etwa ab Blindschacht II überlagert, sind geologische Informationen nicht vorhanden. Man hat sicherlich aus Gründen der im oberen Salzstock bestehenden Laugeneinbruchsgefahr auch von dem Vorantreiben eines Untersuchungs-querschlages vom Füllort der 380 m-Sohle nach Süden Abstand genommen. Das durch die Grubenbaue erschlossene Salinar hat bei fast senkrechtem Einfallen die Streichrichtung OSO nach WNW. Zwischen den einzelnen Strängen des Kalilagers tritt Jüngeres und Älteres Steinsalz in buntem Wechsel auf. Die steile Schichtenstellung, die Umbiegungen und Stauchungen, die Verdrückungen, Rutschflächen, Klüfte, Gas- und Laugeneinschlüsse zeugen von starken tektonischen Bewegungen, denen der Salzstock bei seinem Aufsteigen auf Bruchspalten ausgesetzt war. Die Mächtigkeit der Kalisalzschichten variiert von dünnen ausgewalzten Schnüren von einigen Zentimetern Mächtigkeit bis zu Staumassen von annähernd 55 m Mächtigkeit.

Auf die geologischen und hydrogeologischen Details des Salzstockes Conow muss auch hier aus Platzgründen verzichtet werden. Einzelheiten erfahren Sie in dem diebezüglichen WIKIPEDIA-Artikel des Autors.

Der "Betriebsplan für das Abteufen eines Schachtes der Bohrgesellschaft Mecklenburg GmbH bei Conow i./M." vom
1. Februar 1910 sah vor, zunächst den Schacht bis 16 m Teufe von Hand niederzubringen. Sollten jedoch wasserführende Schichten das Abteufen behindern, so käme dann das Gefrierverfahren zur Anwendung.

Und so wurde infolge starken Wasserandrangs lediglich ein 5 m tiefer Vorschacht im Durch-messer von 10 m von Hand niedergebracht, auf dessen Sohle im Radius von 4,40 m 30 Gefrierbohrlöcher etwa 200 m tief abgebohrt wurden.
Die Gefriermaschinen der Schachtbaufirma "Tiefbau- und Kälteindustrie Aktiengesellschaft vorm. Gebhardt & Koenig Nordhausen" wurden am 19. September 1912 in Betrieb gesetzt. Und schon drei Monate später, am 16. September 1912, war die Frostmauer geschlossen. Das Abteufen begann drei-schichtig per Hand (Hackarbeit). Bei Teufe 11,50 m wurde der Mauerfuß für die Schachtmauer ausgespitzt, welche am 27. September in doppelsteinigem Ziegelmauerwerk fertiggestellt wurde.

Bis zur Teufe von ca. 27 m war mittig ein ungefrorener Kern von etwa 2 m Durchmesser. Er störte das Verteufen nicht, da die Stöße ansonsten fest gefroren waren und das Hereinbrechen der anstehenden wasserführenden Schichten ( sandige Tone, feste Tone, Kiese und Steine) verhinderten.
Ab 49,50 m war die Schachtscheibe durchweg gefroren. Bei Teufe 51,80 m wurde das Keilbett für die erste Tübbingsektion ausgespitzt (30. Oktober 1912).

Bereits am 9. November war der Tübbingausbau bis zur Mauerung hochgezogen. Jetzt wurde auch mittels Sprengarbeit und unter Verwendung von Bohrhämmern weiter verteuft.
Weitere Keilkränze für den Einbau der folgenden Tübbinge setzte man in den Teufen 73,28 m, 103,80 m, 134,33 m, 143,83 m, 171,83 m und 200,90 m.
Interessant sind zwei überlieferte Angaben zur Gefriermauer : So wurde die Temperatur des Frostmantels in einer Teufe von 50 m mit minus 5 Grad Celsius, bei 150 m Teufe mit minus 4 Grad Celsius gemessen.
Die Gefriermaschinen konnten bereits am 1. April 1913 abgestellt werden. Das weitere Abteufen verlief ohne Schwierigkeiten. In Teufe 251,03 m wurde im Älteren Steinsalz der unterste Keilkranz für die Tübbingsäule gelegt.
Am 5. Februar 1914 wurde in der Teufe von 593,80 m der unterste der insgesamt sechs Mauerfüße für die Schachtauskleidung mittels Ziegelmauerwerk ausgespitzt. Die Füllörter der einzelnen Sohlen wurden ebenfalls ausgemauert.
Die endgültige Fertigstellung der Schachtröhre bis zur Endteufe von 720 m erfolgte ab 1916. Von der 580 m-Sohle wurde ca. 162 m vom Schacht entfernt der Blindschacht I zur 706 m-Sohle niedergebracht. Von dort unterfuhr man mit dieser Sohle den Schacht. Jetzt teufte man vom bisherigen Schachtsumpf in 594 m Teufe ein Bohrloch. Dieses erreichte am 4. Dezember die 706 m-Sohle. Das Erweitern dieser Bohrung auf einen Durchmesser von etwa 1 m erfolgte durch Aussolen und wurde am 15. Februar 1917 beendet. Dieses Loch diente der Zuführung frischer Wetter zur 706 m-Sohle und diente gleichzeitig als Einbruch für das Weiterverteufen des Schachtes. Ab 1. Juni 1917 wurde der Schachtquerschnitt traditionell durch Hackarbeit auf das endgültige Maß erweitert. Aus Sicherheitsgründen erfolgten diese Arbeiten in der Nachtschicht bei eingestellter Schachtförderung.

Nachdem der Schachtbau 1914 bis zur Teufe von 592 m gelungen war, schlug man bei Teufe 380 m, 480 m und 580 m die ersten drei Sohlen an. Dazu kamen 1914 nach Erreichung der endgültigen Schachtteufe von 720 m- die 706 m-Sohle hinzu. Die einzelnen Sohlen wurden durch 5 Blindschächte miteinander verbunden, von denen aus mehrere Teilsohlen angelegt wurden. Die komplizierte Ausbildung der steilstehenden Salzstrukturen untersuchte man durch zum Teil über 400 m lange Horizontalbohrungen. Die hydrologischen bzw. hydrogeologischen Einflüsse auf das Grubengebäude waren während des Betriebes der Schachtanlage gering. Auf eine Wasserhaltung konnte verzichtet werden. An einer von drei bekannt gewordenen Laugenstellen im Südost-Feld der 580 m –Sohle konnte durch geophysikalische Untersuchungen eine Verbindung zwischen dieser und dem Grundwasser nachgewiesen werden. Die Zuflüsse an der Laugenstelle waren jedoch unerheblich, sie versiegten nach letzten Aufzeichnungen gänzlich.
Die Grubenbaue standen durchweg ohne Ausbau. Die gebrächen Carnallitbaue wurden nach dem Leerfördern mit Steinsalz aus Streckenauffahrungen und aus der Bergemühle, mit dem aus der Salzmühle über Tage ausgeklaubten Steinsalz, mit gelöschter Kesselhausasche und mit Material der alten Bergehalde, welche beim Niederbringen des Schachtes und der Streckenauffahrungen angelegt worden war, versetzt. Die Hohlraumverhältnisse (Versatz - bzw. Haufwerksfüllung) sind in den einzelnen Abbauen recht unterschiedlich.

Aus Platzgründen entnehmen Sie nähere Einzelheiten zum Bergwerk bitte der obigen Zusammenfassung. Dafür hier folgend eine Bild-PDF:

Fotos vom Kaliwerk Conow

Fotos Kaliwerk Conow.pdf (2,0 MiB)

Das Auftreten von Lauge in einer Untersuchungsstrecke im Südostfeld der 580 m-Sohle im Jahre 1924 veranlasste die Bergwerksverwaltung zwar zur Einstellung jeglicher Sprengarbeiten in diesem Revier. Abdämmungsmaßnahmen wurden auch vorbereitet (Mauerdamm), jedoch nach Rückgang der Laugenzuflüsse nicht fertiggestellt.
In einem Vermerk des Mecklenburg-Schwerinschen Bergamtes vom 26. Juli 1925 heißt es wörtlich : "Die unterzeichnende Bergbehörde steht es nicht an, zu erklären, dass seit Eintritt dieser Umstände - die eine im Gebirgsbau der mecklenburgischen Kalisalzlager begründete besondere Laugengefährdung zu erweisen scheinen - auf eine lange Lebensdauer des Kalibergwerkes Conow nicht mehr zu hoffen war, dass vielmehr die Wahrscheinlichkeit einer Verschlimmerung der Zuflüsse und somit, da Absperrmaßnahmen erfahrungsgemäß wenig Erfolg versprechen, eines Ersaufens der Grubenbaue nahegerückt war"9.
Im Zuge der sogenannten Kali(absatz)krise, die in den Jahren 1925/26 in der gesamten deutschen Kaliindustrie Rationalisierungs- und Konzentrationsprozesse erzwang, erfolgte die Stilllegung bzw. befristete Stundung ca. 40 % aller deutschen Kaliwerke. So ereilte dieses Schicksal auch dem Conower Werk, das als einzeln tätiges Unternehmen im Gegensatz zu den größeren Kalikonzernen mit mehreren Schachtanlagen dem sich verschärfenden Wettbewerb nicht stellen konnte. Die Gewerkschaft Conow verkaufte ihren staatlich festgesetzten Lieferanteil, die sogenannte "Quote", an den Westeregeln-Konzern für drei Millionen Mark.

Die Stilllegung war befristet bis 31.12.1953. Durch Fluten des Grubengebäudes sollte eine sichere Verwahrung bis zur Wiederinbetriebnahme erreicht werden. Um nicht mit Süßwasser zu fluten, entschloss man sich, das in zahllosen Spalten und Klüften des Salzhutes (Teufe 51- 160 m aus der Schachtröhre) anstehende Salzwasser zur Flutung zu verwenden.
Vor dem Fluten der Grubenbaue wurden alle noch zu verwer-tenden/veräußernden Einrich-tungsgegenstände ausgebaut. Zur Einleitung des Salzwassers in das Schachtgebäude bohrte man bei 120 m Teufe die Tübbinge an und installierte drei Hochdruckhähne. Die Aufzeichnungen geben an, dass an den Zapfstellen ein Druck von 13,37 bar gemessen wurde. Die Dichte des Salzwassers betrug 1,202 g/cm³.

Das Fluten begann am 7.8.1926. Das Salzwasser wurde mittels einer an einem Spurlattenstrang der Nebenförderung befestigten rechteckigen Holzluttentour (100 x 200 mm) zum Füllort der 480 m-Sohle und von dort mittels eines Krümmers in die östliche Strecke geleitet. Der weitere Flutungsweg verlief über den Hauptquerschlag nach Süden, über den Blindschacht II zur 580 m-Sohle, weiter durch die östlichen Baue zum Wetterbohrloch, sodann zur 645 m-Sohle und über den Blindschacht I zur 706 m-Sohle.
Zur Einhaltung dieses Weges wurden schwache Staudämme errichtet; so z.B. auf der 580 m-Sohle in der vom Hauptquerschlag zum Blindschacht II führenden diagonalen Seilbahnstrecke, um das unmittelbare Vordringen des Wassers zum Schacht zu verhindern.
Nach dem Anstieg des Wassers bis zu den Zapfstellen in der Schachtröhre wurden laut Aufzeichnungen der Bergwerksverwaltung diese geschlossen. Der darüber befindliche Schachtröhrenbereich wurde mit Süßwasser gefüllt. Das Fluten ist vermutlich am 5.5.1927 beendet worden. Anhand einer Aufzeichnung über die eingefluteten Wassermengen vom April 1927, wonach tageweise bis zu 5.000 m³ eingeflutet wurden (z.B. vom 24.12.1926 – 3.1.1927 wurden 50.764 m³ angegeben), ist mit Sicherheit einzuschätzen, dass außer dem Salzwasser aus den Zapfstellen in der Tübbingsäule noch erhebliche Mengen an Süßwasser von Übertage aus eingeleitet worden sind.
Während des Flutens wurden die Wasserstände in fünf in der Nähe befindlichen Brunnen beobachtet. Veränderungen, die im Fluten begründet sein könnten, wurden nicht festgestellt.
Am 27. August 1927 war der Schacht gefüllt. Das Zechenbuch wurde am 8. März 1928 geschlossen.
Nach Demontage des Fördergerüstes wurde der Zugang zur Schachtröhre durch eine Ringmauer mit eingelassenem Schienenrost gesichert.

Und auch dieses "jüngste" Kaliwerk unseres Bundeslandes hat eine Besonderheit:

Im Rahmen seiner Stilllegung  wurde es als weltweit erstes Salzbergwerk mittels Salzwässern aus dem Gipshut des Salzstockes Conow geflutet in der Absicht, die Stabilität der Grubenbaue zu erhalten, um eines Tages die Förderung von Salzen wieder aufnehmen zu können, sollten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen einer untertägigen Salzgewinnung gebessert haben.