Bergschadenkundliche Erkundung und Begutachtung

Seit Einstellung des Mallißer Bergbaus im Jahre 1960 sind - nach Einschätzung des Autors - mehrere hundert neue Tagesbrüche gefallen. Die Tiefe dieser Brüche reicht von Zentimeter- bis in Meterbereiche. Und dieses Bruchgeschehen umfasst alle Abbaufelder; selbst jene aus dem 19. Jahrhundert.

Nachstehende Formen von Einsturztrichtern sind im Gelände anzutreffen:
1. Eingestürzte Abteuf-, Förder-, Fahr- und Wetterschächte.
2. Eingestürzte Strecken und Streckenkreuzungen.
3. Einsturztrichter bzw. –flächen als Folge geschlagener Brüche bei der Kohlegewinnung.

Erste Sicherungsmaßnahmen in den tagesbruchgefährdeten Bereichen waren das Aufstellen von Absperrschildern; veranlasst durch die Abteilung Geologie des Rates des Bezirkes Schwerin im Jahre 1977. Diese Fachabteilung erstellte ein Jahr später ein ingenieurgeologisches Gutachten speziell für den Bereich der Conow-Stollen IV bis VI und empfahl die Verlegung einer bis dahin durch dieses Gebiet führenden, mit schweren Kettenfahrzeugen befahrenen Trasse (sogenannter "Panzerweg").

Hier das erste Gutachten der Abteilung Geologie des Rates des Bezirkes Schwerin zur Bergschadensgefährdung im Malliß- Conower Altbergbaugebiet:

Die Erkundungs- und Begutachtungsarbeiten fanden schließlich ihren vorläufigen Abschluss in der "Bergschadenkundlichen Analyse des Braunkohlenbergbaues Malliß" vom 14. 4. 1985 ; Autor:  H. RÖßLER. Sign. KA 0025 Geolog. LA M-V

Zu Jahresanfang 2000 wurden circa 10 frische Tagesbrüche - vor allem im Bereich des Marienstollen-Feldes - seitens der Forstverwaltung registriert; also in einem Baufeld, das bereits seit rund 100 Jahren stillgelegt ist. Ein Tagesbruch (Größe circa 2 m x 1m; 2 m tief) lag unmittelbar an einem forstwirtschaftlich genutzten Fahrweg und führte zum Festsitzen eines Fahrzeuges.

Die in den Jahren zuvor und nun in den Jahren 2000 und 2001 bergamtlich angeordneten Vermessungsarbeiten des alten und neuen Bruchgeschehens konkretisierten das Altbergbau-gebiet in bergschadengefährdete Bereiche (Bereiche der ersten drei Gewinnungsperioden sowie solche mit nachgewiesenen Erdfällen) und in akut bruchgefährdete Bereiche. Diese Bereiche sind aus nachstehender Abbildung ersichtlich.

Schließlich beauftragte das Bergamt Stralsund im Juli 2002 die "DMT-GU GmbH Leipzig"* (kurz: DMT) mit der Erarbeitung einer speziellen Gefährdungsanalyse. Diese war u. a. auch insofern notwendig, lag doch der im Jahre 1985 erarbeiteten "Bergschadenkundlichen Analyse des Braunkohlenbergbaues Malliß" nicht solche umfassende Vermessung des Bruchgeschehens zugrunde. Vordergründige Absicht des Bergamtes war die konkrete Ausweisung der Gefährdungsbereiche und ihrer – potentiale sowie gegebenenfalls die Ausweisung notwendiger Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit in diesen Gebieten.

Durch die DMT wurden im Ergebnis der Erarbeitung einer Gefährdungsanalyse 24 Gefährdungsbereiche mit unterschiedlichen Gefährdungspotentialen ausgewiesen.

* DMT - Gesellschaft für Geotechnik und Umweltschutz mbH – Baugrundinstitut, Leipzig.

Genaue Auswertungen der vorhandenen Grubenrisse durch DMT ergaben insgesamt 64 Tagesöffnungen. Die Querschnitte dieser seigeren Grubenbaue wurden aus dem Rißwerk ermittelt und sind in ihren Abmessungen sehr unterschiedlich. So hatten Wetterschächte Querschnitte  von 1 m x 1 m bis 1,5 m x 1,5 m, Hilfsschächte wurden in den Maßen 1,8 m x 1,8 m geteuft und Förderschächte gab es in den Abmessungen von 3,5 m x 2,0 m bis hin so solchen von 5,0 m x 4,0 m.

Zusätzlich und gewissermaßen als Ergänzung der messtechnischen Feldarbeiten und der Gefährdungsanalyse der DMT beauftragte das Bergamt Stralsund die "MILAN-Flug GmbH"* mit einem Laserscanning und der Erarbeitung eines digitalen Geländemodells.

Der Überflug erfolgte im Mai 2003 mit einer Session und dem ESS 800-System in einer Höhe von 500 m. Die MILAN-Flug GmbH gibt die Lagegenauigkeit mit max. 0,5 m und die Höhengenauigkeit mit max. 0,15 m an. Einen Ausschnitt des Ergebnisses dieser Messungen und Berechnungen zeigt nebenstehende Abbildung.

* MILAN Geoservice GmbH, Zum Tower 4 in 01917 Kamenz

Bereits in seinem "Technischen Gutachten über den Betrieb des Braunkohlenbergwerkes Malliß in Mecklenburg vom 31. Juli 1880" bemängelte Oberbergrat Pinno die von ihm festgestellten Lageungenauigkeiten: „[…] Ganz außer Ordnung ist das Rißwesen. Das Grubenbild, im Jahre 1856 angelegt, ist seit dieser Zeit von einer behördlichen Person nicht mehr nachgetragen. Man hat sich mit den Nachtra-gungen der Grubenbeamten begnügt“.(Sign. 2.22-10/8 Nr. 1294 LHA SN). Diese doch gravierenden Lageungenauigkeiten sind vermutlich dadurch entstanden, dass nachfolgende Steiger oder Bergvermesser nur in das ihnen vorliegende und bereits ungenaue Risswerk ihre Neuvermessungen eintrugen.

Die DMT-Auswertung des vorhandenen alten Rißwerks, durchgeführte Neuvermessungen traditioneller Art sowie das moderne Laserscanning ergab teils erhebliche Abweichungen zu den tatsächlichen  Schachtmittelpunkten im Abbaufeld. 

Zitat: "Während für die Risse der 1. [1820-1835], 5. [1922-1926] und 6. Abbauperiode [1947-1960] eine Lageabweichung von  2 m ausgewiesen wurde, wurde für die 4. Abbauperiode [1888-1907] letzte Bauphase (Stoffregen-Riß) eine Abweichung bis ca. 10 m festgestellt. Dagegen waren zum derzeitigen Zeitpunkt die größten Probleme bei der Orientierung der Risse für die 2. Abbauperiode [1856-1862] zu verzeichnen, von ca. 2 m für einzelne Baufelder bis ca. 40 m (Oberflöz) und bis ca. 100 m für Baufelder im Unterflöz“.