Maßnahmen zur Überwachung der stillgelegten Kali- und Steinsalzbergwerke sowie des Braunkohlenfeldes Malliß-Conow

Die nachfolgenden Abbildungen 1 und 2 zeigen die zu DDR-Zeiten (Erarbeitungsstand etwa 1985) entstandene "Karte der Vertikalen Erdkrustenbewegungen vom Territorium der Deutschen Demokratischen Republik".

Diese Übersichtskarte wurde vom Zentralinstitut für Physik der Erde (ZIPE) , einem außeruniversitären Forschungsinstitut der Akademie der Wissenschaften der DDR,  erarbeitet. Diese Forschungseinrichtung bestand von 1969 bis 1991 und wurde 1992 durch das gesamtdeutsche GeoForschungsZentrum ersetzt.

Aus Geheimhaltungsgründen der DDR-Regierung blieb die Karte bislang unveröffentlicht. Wie hilfreich wäre sie doch bei der Einschätzung möglicher Senkungs- bzw. Hebungserscheinungen über dem stillgelegten Altbergbau Südwestmecklenburgs gewesen.

Hier erfolgt nun ihre Veröffentlichung mit ausdrücklicher Einwilligung des Autors Dr. Jürgen Ellenberg, Jena (genaue Literaturquelle: Ellenberg, J.(1988): "Rezente vertikale Erdkrustenbewegungen als geologischer Prozess". AdW DDR. Zentr. Inst. Physik Erde. Diss. B., Potsdam, 141 pp, hier die Karte Nr. 4).

Dafür gebührt ihm mein großer Dank !

Nachträglich wurden zur besseren Übersicht die Belegenheiten der drei Mecklenburgischen Kali- und Steinsalzbergwerke eingezeichnet.

Sobald die zugesagten Messergebnisse der Festpunktübersichten der Höhen der "Nach-Wendezeit" betreffend die Salzstöcke Lübtheen und Conow vom "Landesamt für innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern, Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen,  Fachbereich 312 - Geodätische Bezugssysteme und Festpunktfelder" -  vorliegen und ausgewertet worden sind, wird sich dieser Artikel nur auf die Bergbauliche Nachsorge des Braunkohlenfeldes Malliß-Conow beschränken.


Die weitere Bergbauliche Überwachung der drei stillgelegten Kali- und Steinsalzbergwerke in Form von Senkungsnivellements wird nach Auswertung o. a. Messergebnisse neu zu diskutieren sein.

Das betrifft vor allem den messtechnischen Umfang und deren Zeitintervalle  (wenn überhaupt noch durch die vermutete Salztektonik der beiden Diapire gerechtfertigt). 

Hier folgend der aktuelle Stand (März 2017) :

Die markscheiderische Überwachung der Tagesoberfläche über den untertägigen Auffahrungen des Kali- und Steinsalzbergwerkes Friedrich Franz Lübtheen beginnt nicht erst nach dem Ersaufen dieses Bergwerkes.
Offensichtlich - so dokumentiert es das spärliche Archivgut- gab es bereits Senkungserscheinungen im Jahre 1909, also bereits sieben Jahre bevor diese Schachtanlage binnen weniger Stunden ersoff. In einem Schreiben der "Mecklenburgischen Gewerkschaft "Friedrich Franz ", eingegangen im "Grossherzoglichen Bergamt zu Hagenow i. M." am 16. Mai 1909 , heißt es:

"Auf die Verfügung vom 12. d. M. - G. Nr. 529 - beehren wir uns anbei ein Heft mit den markscheiderischen Aufnahmen von Fixpunkten zur Beobachtung von Bodensenkungen auf unserer Werksanlage zu übersenden, sowie einen dazugehörenden Situationsplan.
Im Anschluss daran gestatten wir uns nochmals ganz ergebenst zu bemerken, dass die an mehreren unserer Betriebsgebäude bemerkbaren Bodensenkungen, infolge deren wir die markscheiderischen Aufnahmen veranlasst haben, offensichtlich verursacht sind durch ein Abströmen des Grundwassers aus dem Baugrunde nach dem unmittelbar neben dem Schachte befindlichen, tiefer gelegenen alten Gipsbruch. Auf etwaige Einwirkungen des Schachtes oder des Abbaues dürften daher weder die vorliegenden noch die zukünftigen Messungen einen Rückschluss gestatten".(Sign. 5.12-3/18 Nr. 20, LHA SN)

Dem Archivgut des Landeshauptarchivs Schwerin (LHA SN) ist weiter zu entnehmen, dass nach dem Ersaufen der Kalischachtanlage Jessenitz und bald darauf folgend auch der Kalischachtanlage Lübtheen das zuständige Bergamt Hagenow Nivellements zur Überwachung der Tagesoberfläche über den betreffenden Bergwerksarealen anordnete. Die bislang einzige auffindbare tabellarische Auflistung der Messergebnisse zeigt obenstehende Abbildung. Der Sachverständige des Bergamtes, Bergrat Prof. Dr. Tübben (Berlin), zeichnete diese Tabelle im Juni 1911 als "gesehen" ab und bemerkte am Rande des Schriftstückes die doch signifikanten Hebungen (statt zu erwartender Senkungen) mehrerer Messpunkte; ein klärender Kommentar seinerseits aber fehlt.

Auch für die Jahre 1912 und 1913 wurden dem Bergamt die "Ergebnisse der Tagesnivellements" über dem Schachtareal Jessenitz überstellt. Leider fehlen in diesen Akten die Messergebnisse.

 

In neuerer Zeit wurden zum Nachweis möglicher Senkungen der Tagesoberfläche über den drei stillgelegten Kali- und Steinsalzbergwerken Mecklenburgs bis zum Jahre 2016 nachstehende Vermessungen durchgeführt:

- Schachtanlage Conow: Nivellements in den Jahren 1977, 1978, 1982, 1993 und 2002.

- Schachtanlage Lübtheen: Nivellements in den Jahren 1977, 1979, 1983, 1993, 2000, 2006 und 2010.

- Schachtanlage Jessenitz: Nivellements in den Jahren 1993,  1997, 2000 und 2010.


Die durch die Senkungsnivellements nachgewiesenen Bodenbewegungen in den Einwirkungsbereichen der untertägigen Auffahrungen (plus Grenzwinkel von 65 Grad) sind bislang unbedenklich. Unterschiede zwischen den Messwerten der Nivellementszüge Lübtheen und Jessenitz bedürfen immer einer zusätzlichen geologischen Gesamtbewertung.

Diese Schachtanlagen liegen zwar auf dem gleichen Salzstock, jedoch in unterschiedlicher Position zu seinen Flanken. Der Schachtkopf des Kali- und Steinsalzbergwerkes Friedrich Franz Lübtheen (Endteufe 680 m) liegt im Bereich des zugeschütteten einstigen Gipsbruches Lübtheen. Das dort eingebrachte Schüttmaterial reicht von natürlichen Sanden und Kiesen bis hin zu Abteufmineralien und Fabrikrückständen. Zu mehreren Erdfällen in diesem Bereich kam es schon im Jahre 1900, als das Kali- und Steinsalzbergwerk Jessenitz ersoff.

Hingegen steht der Schachtkopf des Kali- und Steinsalzbergwerkes Herzog Regent Jessenitz (Endteufe 620 m) zwar im gewachsenen Tertiär und überlagernden quartären Schichten, doch eine sogenannte Pinge - der "Große Sarm", ein infolge Auslaugung des darunter befindlichen Gipshutes (= Caprock) entstandener Erdfall - befindet sich im näheren Schachtbereich.
Die Feststellung sehr geringer Bodenbewegungen rechtfertigt natürlich auch größere Jahresfristen der Wiederholungsmessungen. Ein großer Nachteil dabei ist aber, dass viele der angelegten Mauerbolzen des Höhenfestnetzpunktes bei der darauffolgenden Wiederholungsmessung nicht mehr aufzufinden waren (Umbau oder Abriss der Baulichkeiten) oder andere Veränderungen (Beeinflussung durch Frost, Niederschläge u. ä.) erfahren haben . Zusätzliche Kontrollmessungen - ausgeführt als Feinnivellements - waren vonnöten.

Die Messungen der letzten Jahre erfolgten mittels Digitalnivelliergerät (Dini 12) und Invarbandlatte mit BC-Teilung.


Für die 7. Wiederholungsmessung des Senkungsnivellements Lübtheen und Jessenitz im September des Jahres 2010 diente als Bezugspunkt - wie schon in den Jahren 2006 und 2008 - der Mauerbolzen MB 3107 / 114250 des "Landesamts für innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern - Amt für Geoinformation, Vermessungs- und Katasterwesen -" im Höhensystem HN 76 (= Normalhöhe des Jahres 1976). Da auch für das Altbergbaugebiet Jessenitz kein anderer Ausgangspunkt zur Verfügung steht, ist das Nivellement für beide Altbergbauareale nun vereinigt.

Nach jetzigem Kenntnisstand vorhandener rezenter Krustenbewegungen ist eine zeitnahe 8. Wiederholungsmessung zu empfehlen.

In diesem Zusammenhang hat der Autor am 7. April 2016 Kontakt mit dem "Fachbereich Geodatenbereitstellung des Landesamtes für innere Verwaltung Mecklenburg-Vorpommern" aufgenommen und um Auskunft gebeten, inwieweit beide Salzstöcke von den Vermessungslinien der Landesvermessung (Nivellementnetze 1. bis 4. Ordnung)  überquert werden. Wenn dies hoffentlich der Fall ist, könnten die ermittelten Zahlenwerte über mögliche, in der geologischen Fachwelt angenommene rezente Hebungen resp. Senkungen beider Salzstöcke in die Korrelation der Überwachungsnivellements über den Tagesoberflächen der drei stillgelegten Kali- und Steinsalzbergwerke einfließen.

Somit wäre es gegebenenfalls auch leichter zu erklären, dass z. B. die Höhenveränderungen der Messpunkte beim Werk Jessenitz plötzlich   - im Zeitraum 1997 bis 2000 -   fast durchweg Hebungen ausweisen (vergleiche nachstehende PDF). Natürlich sind auch andere Ursachen möglich.

Auch über dem Schachtareal Conow weisen z. B. in der Zeit von Juni 1978 bis Juni 2002 alle messtechnisch beobachteten Punkte Hebungen von mindestens 6,7 mm bis 8,9 mm auf. Diese Messergebnisse nur allein auf Lageveränderungen der Mauerbolzen (z. B. durch Gebäudesetzungen) in diesen langen Zeitabständen der Messungen zurückzuführen, ist nicht überzeugend. 


In jedem Falle bedarf es auch weiterhin der sogenannten "Bergbaulichen Nachsorge", zu der neben einer kontinuierlichen bergamtlichen Kontrollbefahrung der Altbergbauobjekte bislang auch Senkungsnivellements zählten.

 

Maßnahmen zur Überwachung der stillgelegten Braunkohlenbergwerke

Einen bedeutenden Beitrag zur bergbaulichen Nachsorge in den Braunkohle-Abbaufeldern Malliß und Conow leisteten die  umfangreichen Sicherungs- und Verwahrungsarbeiten in den Jahren 2003 und 2004.

Und dennoch: Tagesbrüche und Erdsenkungen sind auch noch in Jahrzehnten mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erwarten. Es gilt, die durch Absperrungen und Warnschilder ausgewiesenen Bereiche nicht zu betreten.

Zur weiteren Nutzung  der Waldflächen über den bruchgefährdeten Arealen wurden seitens des Bergamtes Stralsund in Abstimmung mit dem Forstamt Conow entsprechende Maßnahmen festgelegt.

Vor-Ort-Kontrollen seitens dieser Behörde gehören auch künftig zur Altbergbau-Nachsorge.