Begriffsbestimmungen des Altbergbaues

1.)   Unter dem Begriff "Altbergbau" versteht man die Gesamtheit aller bergmännisch hergestellten Hohlräume (Grubenbaue) einschließlich Bohrungen sowie Tagebaue, Halden, Kippen und Restlöcher, die bergbaulich nicht mehr genutzt werden.

Sonstige aufgefahrene unterirdische Hohlräume nicht bergbaulichen Ursprungs, wie z. B. Bergkeller, Höhlen, Luftschutzstollen und Tunnel erfahren durch ihre Vergleichbarkeit mit Grubenbauen eine sinngemäße Zuordnung (siehe DIN 21913-6:2014-11).

2.)   Unter den Begriff "Altbergbau bedingter Einwirkungsbereich" fällt der Bereich der Tagesoberfläche, der durch Altbergbau in seinen Eigenschaften bzw. seinen Funktionen nachteilig beeinflusst ist oder in dem eine Beeinträchtigung zukünftig nicht ausgeschlossen werden kann. Die Abgrenzung des Altbergbau bedingten Einwirkungsbereiches an der Tagesoberfläche erfolgt im Einzelfall in Abhängigkeit von der bergbaulichen Situation, den ingenieurgeologischen und tektonischen Verhältnissen sowie den boden- bzw. felsmechanischen Eigenschaften des überlagernden Gebirges.

3.)   Unter "Sicherung" versteht man die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit (z.B. Leben und Gesundheit von Personen, bedeutende Sachwerte) unter Berücksichtigung der aktuellen Nutzung der Tagesoberfläche, ohne jedoch die Gefahrenstelle tatsächlich zu beseitigen. Hierbei werden die Erstsicherung (vorläufige Sicherung) zur umgehenden Gefahrenabwehr an der Schadstelle und die dauerhafte Sicherung zur längerfristigen Gefahrenabwehr unterschieden. An den Erhalt der Wirksamkeit von Sicherungsmaßnahmen sind somit periodische Kontrollen gebunden, deren zeitliche Abfolge sich an den jeweiligen örtlichen Verhältnissen orientiert. Der Entscheidung über Art und Umfang der im Einzelfall durchzuführenden Sicherungsmaßnahmen geht eine fachliche Bewertung der Gefahrenlage voraus.

4.)   "Sanierung oder Verwahrung" ist die Gesamtheit aller Maßnahmen zur dauerhaften Abwehr von Gefahren für die öffentliche Sicherheit durch Altbergbau. Das Bearbeitungsobjekt (Schadstelle) wird dabei in der Regel wesentlich verändert oder beseitigt, periodische Kontrollen sind weitestgehend entbehrlich. Der Umfang und die Art der Maßnahmen sind der aktuellen oder geplanten Nutzung der Tagesoberfläche angepasst und nach dem jeweiligen Stand der Technik wartungs- und überwachungsfrei auszuführen (siehe DIN 21913-6:2014-11).

Anmerkung: Der Begriff Verwahrung wird bevorzugt bei Sanierungsarbeiten im untertägigen Bergbau der unterschiedlichsten Bergbauzweige Mitteldeutschlands seit dem 19. Jahrhundert verwendet und ist Bestandteil bereits älterer Rechtsvorschriften dieser Region.

5.)   Der Begriff "Bergschadenkundliche Analyse" ist definiert im § 6 der "Verwahrungsanordnung der DDR vom 19. Oktober 1971* (GBl. DDR 1971 II S. 621)":

* Fortgeltendes Recht der ehem. Deutschen Demokratischen Republik gem. Anlage II Kap. V Sachg. D Abschn. III Nr. 1 Buchst. b nach Maßgabe d. Art. 9 EinigVtr v. 31.8.1990 i.V.m. Art. 1 G v. 23.9.1990 II 885, 1202 m.W.v. 3.10.1990.

(1)   Die Bergbaubetriebe haben für nicht mehr benötigte Grubenbaue eine bergschadenkundliche Analyse rechtzeitig vor der Beendigung der bergbaulichen Nutzung - im Falle der Nachnutzung der Grubenbaue durch den Bergbaubetrieb selbst rechtzeitig vor der Beendigung der Nachnutzung - anzufertigen und der Bergbehörde zu übergeben.

(2) Die bergschadenkundliche Analyse muss Angaben enthalten über:

a) den Zustand der Grubenbaue, insbesondere der tagesoberflächennahen Grubenbaue und der räumlichen Verbindungen zur Tagesoberfläche (Tagesschächte, Stollen),

b) die Abbau- und Versatzverfahren,

c) den geologischen, hydrogeologischen und geomechanischen Zustand der Lagerstätte und des Deckgebirges,

d) bereits durchgeführte Verwahrungsarbeiten (z.B. Versatz),

e) weitere Grubenbaue und unterirdische Hohlräume, die sich im Einwirkungsbereich der stillzulegenden und

der bereits stillgelegten Grubenbaue befinden,

f) die Nutzung und Bebauung der Tagesoberfläche,

g) bereits eingetretene Bergschäden und andere nachteilige Einwirkungen und durchgeführte

bergschadenkundliche Messungen (Lage- und Höhenmessungen),

h) künftig noch zu erwartende Bergschäden und andere nachteilige Einwirkungen, unterteilt gemäß § 2 Abs. 7.

(3)   Der bergschadenkundlichen Analyse sind Übersichtskarten und rissliche Unterlagen beizufügen, auf denen insbesondere darzustellen sind

a) Grubenbaue (insbesondere tagesoberflächennahe Grubenbaue, Tagesschächte und Stollen),

b) der geologische und hydrogeologische Zustand der Lagerstätte und des Deckgebirges,

c) weitere Grubenbaue und unterirdische Hohlräume, die sich im Einwirkungsbereich der stillzulegenden und der bereits stillgelegten Grubenbaue befinden,

d) die Nutzung und Bebauung der Tagesoberfläche,

e) bereits eingetretene sowie zu erwartende Bergschäden und andere nachteilige Einwirkungen (z.B. Senkungsgebiete, zu erwartende Änderungen des Grundwasserspiegels).

(4)   Für stillgelegte Bohrlöcher ist eine bergschadenkundliche Analyse nur erforderlich, wenn die Gefahr von Bergschäden oder anderen nachteiligen Einwirkungen (auch durch nicht geborgene, umschlossene Strahlenquellen oder durch im Bohrloch verbliebene Sprengmittel) besteht.

Die bergschadenkundliche Analyse ist in vereinfachter Form, die mit der Bergbehörde abzustimmen ist, anzufertigen.

Quelle: Diese Definitionen grundlegender Begriffe aus dem Themenbereich „Altbergbau" beruhen auf Empfehlungen namens  „Geotechnisch-markscheiderische Untersuchung und Bewertung von Altbergbau" des Arbeitskreises 4.6 der Fachsektion Ingenieurgeologie der DGGT e. V.
Siehe: 4. ALTBERGBAU - KOLLOQUIUM, LEOBEN 2004.