Beginn und Ende der Gewinnung von Braunkohle in Mecklenburg

Da in anderen deutschen Ländern bereits rege bergbauliche Tätigkeit herrschte - nicht zuletzt zum finanziellen Nutzen der Landesfürsten - war Herzog Friedrich Franz I. (* 10. Dezember 1756; † 1. Februar 1837) daran interessiert zu erfahren, welche Bodenschätze sich in seinen Ländereien verbargen. Auf seinen Befehl hin ließ er im Jahre 1790 alle sich dieser Thematik widmenden Dokumente aus Ämtern und Archiven zusammengetragen.

Nach Sichtung dieser Unterlagen wurde der Geologe Carl Zintgraff mit geognostischen Sucharbeiten im Raum Malliß beauftragt. Er begann diese Arbeiten unweit des Südwesthanges des durch den Conower Salzstock emporgehobenen Wanzeberges bei Malliß. In zwei Schürfstollen wies er auch das Vorhandensein von Braunkohle nach. Daraufhin beschloss die Großherzogliche Kammer im Jahre 1817, dieses Gebiet nebst der angrenzenden Bockuper und Conower Berge mittels Bohrungen weiter genauer untersuchen zu lassen. Im Herbst 1817 begannen diese Sucharbeiten durch angeworbene Bergleute aus dem Steinkohlenbergwerk "Rudolphsgrube" bei Helmstedt.
Der Vollständigkeit halber sei bemerkt, dass in Mecklenburg -Vorpommern auch anderenorts bis dato Braunkohle gefunden wurde. Abgebaut wurde z. B. anno 1841 auch im kleinen Umfang Braunkohle im sogenannten Sonnenberg bei Parchim. Man fand zwei Flöze; das obere hatte eine Mächtigkeit von 1 m, das untere - 6 m tieferliegend - war 2,5 m mächtig. Die Braunkohle war sehr feinkörnig / bis erdig und wurde in abgesiebtem Zustand für 10 Schilling je Tonne (1 "To" seinerzeit 4 Scheffel = 135,6 l) abgegeben. Doch das Verhältnis von Aufwand und Nutzen führte alsbald zur Einstellung der Gewinnungsarbeiten.

Der Beginn der Förderung Mallißer Braunkohle datiert in das Jahr 1820.
Hier folgend die wesentlichsten Angaben zur Lagerstätte selbst:

Das Malliß-Conower Braunkohlenrevier liegt im Bereich des sogenannten Wanzebergs, eines rund 40 Quadratkilometer großen Höhen-  plateaus im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Es umschließt die Ortschaften Malk, Karenz, Conow, Malliß, Bockup, Niendorf und Schlesien. Entstanden ist diese Hochlage durch das Aufsteigen des Conower Salzstockes. Das führte dazu, dass die ursprünglich tiefer gelegenen, für eine bergbauliche Nutzung infrage kommenden Ablagerungen wie Sande, Ziegelei- und Alauntone, Kalkmergel, Braunkohle, Kali- und Steinsalze in oberflächennahe und damit bergmännisch erreichbare Teufen angehoben wurden. So sprach man schon im vorigen Jahrhundert von einem, diesen Namen auch verdienenden ‚Mineraldistrikt‘. Durch Bohrungen wurden zwei Braunkohlenflöze nachgewiesen.
Das Braunkohlen-Altbergbaugebiet erstreckt sich in NNW-SSE'licher Richtung in einer Breite von 400 m bis 600 m und einer Länge von circa 3,5 km. Das Areal umfasst circa 120 ha.
Die Braunkohlenlagerstätte Malliß ist dem südwestlichen Ansteigen der tertiären Schichten nach so gestaltet, dass das "Obere Flöz" nicht tiefer als 100 m, das "Untere Flöz" nicht tiefer als 135 m unter Flur lagert. Stellenweise traf man auch auf ein abbauunwürdiges drittes Flöz; größtenteils tektonisch ausgewalzt.

Die pleistozänen Lockersedimente über dem Oberflöz sind stark wasserführend. Der Grundwasserspiegel liegt nur wenige Meter unter Flur. Als Grundwasserstauer fungieren Geschiebemergel und Glimmertone. Die wasserführenden Sande, eingelagert zwischen abdeckenden bindigen Schichtengliedern, stehen mit zunehmender Teufe unter hohem hydrostatischem Druck und erschwerten wesentlich die bergmännischen Aufschluss- und Gewinnungsarbeiten. Größere Wassereinbrüche unterbrachen den Gewinnungsbetrieb für Monate (so z. B. in den Jahren 1856/66).

Geologische Untersuchungsbohrungen im Jahre 1956 hatten weitere Verwerfungen und sogar das Ausstreichen des Braunkohlen-Unterflözes festgestellt. In einem „Gutachten über die Verhältnisse der Tiefbauanlagen Conow V/VI des VEB (K) Braunkohlenwerkes Malliß“ der Technischen Bezirks-Bergbauinspektion Staßfurt vom 5. August 1958“  ist vermerkt: „[…] Am 22.7.1958 wurde seitens der Technischen Bezirks-Bergbauinspektion in Staßfurt die Anlage V/VI befahren. Der Abbau Conow IV erfolgte bis zu einer Teufe der 17. Sohle. Da sich für einen weiteren Aufschluß große Schwierigkeiten durch die Wasserverhältnisse im Liegenden und Hangenden, sowie Schwankungen der Mächtigkeit der Kohle ergaben, wurde Conow IV stillgelegt. Conow V liegt mit der 5. Sohle auf dem gleichen Niveau der 15. Sohle von Conow IV. Somit kommt der Betrieb mit den Vorrichtungsarbeiten für die 6. Sohle in den Bereich, in dem die gleichen Schwierigkeiten zu erwarten sind, wie sie in Conow IV aufgetreten sind. Die gleichen Verhältnisse werden in Conow VI bei den Vorrichtungsarbeiten der 2. bezw. 3. Sohle auftreten. Diese Schwierigkeiten liegen insbesondere in der mangelhaften Entwässerung bezw. der geringen Flözmächtigkeit. Alle diese Schwierigkeiten werden u. E. in der Zukunft eine Senkung der Produktion und damit eine Steigerung der Gestehungskosten bedingen, die eine Überprüfung der Wirtschaftlichkeit des Betriebes erforderlich machen wird, zumal eine Mechanisierung der Anlage schlecht durchführbar sein wird“.(Quelle: Kreisarchiv Ludwigslust-Parchim, Bestand L 3370)
Und im Betriebsplan des Werkes für das Jahr 1959 heißt es: „[…] Einer Steigerung der Förderung ist eine natürliche Grenze gesetzt durch die erschwerten Vortriebsarbeiten, die die erforderliche Vortriebsfläche dafür nicht zu schaffen vermögen. Die Erschwernisse sind in der Feinkörnigkeit der zu entwässernden Sande, insbesondere im Liegenden des Flözes begründet. Die Fließgeschwindigkeit ist äußerst gering, sodaß für die Entwässerung und Entspannung ein gewisser Zeitraum vorhanden sein muß. Wird dieser Zeitraum nicht eingehalten und Vorrichtungsstrecken in ein unentspanntes Gebirge vorgetrieben, dann treten erfahrungsgemäß starke Liegend-Sand-Wasseraufbrüche auf, die trotz der Schaffung von Entlastungsorten in ihren Auswirkungen nicht zu beherrschen sind. Die Anlage Conow-Stollen V hat mit den Teufflachen I und II das Niveau der geplanten 6. Sohle erreicht. Die vorliegenden geologischen Untersuchungsbohrungen lassen nach der Teufe eine Vorplanung bis zur 9. Sohle zu. Darüber hinaus ist eine Verringerung der Flözmächtigkeit festzustellen, die eine wirtschaftliche Ausbeutung der Lagerstätte kaum noch zulassen wird. Daraus ergibt sich eine voraussichtliche Abbautätigkeit bis zum Jahre 1962-64“.(Quelle: Kreisarchiv Ludwigslust-Parchim, Bestand L 3598)

Die Gewinnung der Braunkohle wurde letztlich unrentabel; die endgültige Einstellung des Bergwerksbetriebes geschah am 31. März 1960.

Nachstehende Braunkohle-Gewinnungszeiträume sind dokumentiert:
1. Abbau-Zeitraum: von 1820 bis 1835
2. Abbau-Zeitraum: von 1855 bis 1908
3. Abbau-Zeitraum: von 1922 bis 1926
4. Abbau-Zeitraum: von 1947 bis 1960

Unter Berücksichtigung der Archivrecherchen und Erkenntnissen der neuen markscheiderischen Feldvermessungen kann die Gesamtförderung von Braunkohle im Mallißer Revier zu insgesamt rund 1,4 Millionen Tonnen angegeben werden.

Im Einzelnen:
Oberflöz südöstlich der B 191: ca. 129.300 t
Unterflöz am Marienstollen: ca. 155.000 t
Unterflöz nordwestlich der B191: ca. 45.000 t
Unterflöz nordwestlich der B 191: ca. 160.000 t
Unterflöz nordwestlich der B 191: ca. 914.500 t

Detaillierte Angaben finden Sie in diesen WIKIPEDIA-Artikeln des Autors:

Braunkohlenbergwerk Malliß (Oberflöz)
Braunkohlenbergwerk Malliß (Unterflöz)

sowie in dem Sachbuch des Autors:
„Der Mallißer Braunkohlenbergbau“, 196 Seiten, 108 Abbildungen, ISBN: 978-3-7347-6915-3.